Dachstuhlbrand bei sommerlicher Hitze

24.06.2019, 09:30 Uhr, geschrieben von Thomas Weege in Einsätze » Einsätze 2019 »

Der Dachstuhl eines Mehrparteienhauses in der Koppelstraße ist am Montagabend durch einen Großbrand in Norden zerstört worden. Gegen 19 Uhr war das Feuer entdeckt und gemeldet worden. Während der 20 Meter lange Dachstuhl nahezu vollständig zerstört wurde, gelang es der Freiwilligen Feuerwehr Norden den ebenso großen Dachstuhl eines direkt angrenzenden Gebäudes zu retten. Alle Bewohner konnten sich selbst in Sicherheit bringen beziehungsweise waren bei Brandausbruch nicht Zuhause. Somit gab es keine Verletzten.

Mit Eingang des Notrufs lief für Feuerwehr, Deutsche Rotes Kreuz (DRK), Polizei, Rettungsdienst, Stadtwerke sowie das Ordnungsamt ein gemeinsamer Großeinsatz an, der bis spät in die Nacht andauerte. Bei Ankunft der Feuerwehr drang aus dem gesamten Dachstuhl bereits dicker Qualm, welcher zunächst in Bodennähe durch die Straßen zog und später auch aus der Ferne zu sehen war. Aus einem Gaubenfenster schlugen auch schon die ersten Flammen ins Freie. Bewohner des Sechs-Parteien-Hauses berichteten, dass sich noch eine Frau in einer der Wohnungen befinden sollte. Der Verbleib einer zweiten Bewohnerin war ebenfalls unklar, sodass auch sie in dem Gebäude vermutet werden musste. So konzentrierten sich die Erstmaßnahmen der Feuerwehr auf die Suche nach den Vermissten. Atemschutzgeräteträger (AGT) drangen hierzu durch das Treppenhaus sowie über eine Steckleiter in das Gebäude ein. Während die Wohnungen im Erdgeschoss sowie im ersten Obergeschoss zügig abgesucht werden konnten, mussten sich die Einsatzkräfte aus dem Dachgeschoss zurückziehen, da die Hitze so enorm war und Teile des Daches einstürzten. Der Dachstuhl stand inzwischen auf voller Länger in Brand. Letzlich konnten nach und nach beide Frauen unversehrt außerhalb des Gebäudes angetroffen werden.

Um das Feuer unter Kontrolle zu bringen und vor allem ein Übergreifen auf das Nachbargebäude zu verhindern, musste die Dachhaut über die Drehleiter geöffnet werden. Dies gestaltete sich wegen der Dachgröße und modernen Dachdämmung als sehr aufwändig. Das Gebäude war erst vor wenigen Jahren umfangreich energetisch saniert worden. Bis die Drehleiter zum Einsatz kommen konnte, nahmen die Feuerwehrleute ein B-Rohr vor und schlugen die Flammen damit nieder. Weiterhin musste ein Baum am Straßenrand gefällt werden, damit die Drehleiter alle Dachbereiche erreichen konnte. Die Erkundung des Nachbargebäudes ergab, dass dessen Dachstuhl ebenfalls bereits stark verraucht war. AGT öffneten die Dämmung an der Giebelspitze von innen und stießen dabei auf bereits verkohlte und geschmolzene Baustoffe. Eine Ausbreitung konnte somit im allerletzten Moment verhindert und die sechs Wohnungen des Hauses gerettet werden.

Die sommerlichen Temperaturen an dem Abend von um die 30 Grad, machten allen Einsatzkräften enorm zu schaffen. Wo es nur ging, wurde Mineralwasser gereicht. Die schnell verbrauchten Vorräte von Feuerwehr und DRK wurden mit Unterstützung von Anwohnern so lange aufgefüllt, bis das DRK Nachschub aus einem Supermarkt heranschaffte. Alle AGT wurden angewiesen vor dem Einsatz mindestens ein halben Liter Wasser zu trinken. Die bereits aus dem Einsatz zurückkehrenden AGT hatten enorme Flüssigkeitsmengen ausgeschwitzt und mussten ebenfalls reichlich Wasser zu sich nehmen. Wegen extremen körperlichen Belastungen wurden die rund 90 Einsatzkräfte der Feuerwehr vielfach durchgetauscht, damit jeder in Erholungsphasen Kräfte sammeln konnte. Das DRK hatte für alle eingesetzten Kräfte auch noch Abendessen organisiert.

Der enorm kräftezerrende Einsatz aller Einsatzkräfte machte sich am Ende dann aber bezahlt. Das Nachbargebäude konnte gerettet und vor größerem Schaden bewahrt werden. Alle Bewohner blieben unverletzt und auch von den Einsatzkräften kam trotz aller Gefahren niemand zu schaden. Die insgesamt 13 Bewohner des Haues wurden im nahegelegenen Gemeindehaus der St. Andreas Gemeinde versammelt. Der Pastor hatte seine Hilfe und das Gotteshaus hierzu angeboten. Polizei und Ordnungsamt konnten hier alle Betroffenen über die weiteren Abläufe informieren sowie deren Personalien und Kontaktdaten aufnehmen. Da das Gebäude durch den Brand unbewohnbar wurde, mussten für alle Bewohner eine Notunterkunft gesucht werden. Die obdachlosgewordenen fanden jedoch allesamt im privaten Umfeld spontane Obhut, sodass das Ordnungsamt nicht weiter tätig werden musste.

Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis spät in die Nacht hinein. Ehe alle Glutnester freigelegt und abgelöscht waren, war es bereits 2 Uhr. Eine weitere Stunde dauerte es dann noch, bis auch die letzten Fahrzeuge wieder einsatzbereit in den Hallen am Hilfeleistungszentrum standen.

Videobeitrag von Großheide TV & Nonstopnews

Fotos: E. Weege, T. Weege, M. Goldenstein, H. Klingenborg