Wattrettung mit Hubschrauber gegübt

07.10.2026, 18:00 Uhr, geschrieben von Thomas Weege in Aktuelles »

Zwei Wattwanderer sind im Watt vor Norddeich auf eigene Faust unterwegs. Die Flut überrascht sie und schneidet ihnen den Rückweg ab. Die Dunkelheit bricht zudem auch noch herein. Da sie nicht weiterkommen, wählen sie den Notruf. So und ähnlich haben in der Vergangenheit bereits diverse lebensbedrohliche Notfälle im Nationalpark Wattenmeer ausgesehen. Einsatzkräfte haben dabei meist Schwierigkeiten, die Personen im seichten Wasser mit Booten oder Schiffen zu erreichen. Dann ist Hilfe aus der Luft gefragt. Der Betreiber der Offshore-Rettungshubschrauber Northern Helicopter (NHC) und die Freiwillige Feuerwehr Norden nahmen dies am Mittwochabend zum Anlass für eine gemeinsame Übung.

Die Bootsgruppe der Norder Feuerwehr brachte mit ihrem Mehrzweckboot zwei Einsatzkräfte in das Wattengebiet zwischen Norddeich und Norderney. Abseits des Fahrwassers verließen die beiden Statisten das Boot und stiegen auf eine Sandbank, auf der das Wasser noch hüfttief stand. Währenddessen machte sich der am Flugplatz Norden-Norddeich stationierte NHC-Offshore-Rettungshubschrauber „Northern Rescue 03“ auf den Weg dorthin. Der sogenannte HEMS-Hubschrauber (Helicopter Emergency Medical Services) ist für Notfälle in den Offshore-Windparks vorbehalten. Wird er aber für andere Einsätze von der Leitstelle angefordert, fliegt er auch Einsätze auf dem Festland, auf den Inseln und im umliegenden Seegebiet. Dafür ist er mit einer Seilwinde ausgestattet, die auch bei Watt- und Wasserrettungen enorm wertvoll ist.

Der zur HEMS-Crew gehörende Notfallsanitäter übernimmt bei derartigen Einsätzen die Aufgabe des Rettungsschwimmers und wird mit der Seilwinde abgeseilt. Bei der Übung sicherte er die Feuerwehrleute mit einem Gurtsystem und wurde mit ihnen gemeinsam nach oben gezogen. Was so einfach klingt, bedarf jedoch enorm viel Training und Kommunikation. Für beide Seiten war die Übung sehr wertvoll. Die Feuerwehrleute bekamen ein Gefühl für die Kraft eines so großen Hubschraubers, besonders wenn der Abwind des Hauptrotors das Wasser aufwirbelt und es den Beteiligten ins Gesicht peitscht. Außerdem frischte die Bootsfahrt die Revierkenntnisse der Bootsführer über Wassertiefen, Seewege und Sandbänke auf.

Die Hubschraubercrew nutzte die Übung, um die Windenrettung unter realistischen Bedingungen im Wattenmeer zu trainieren, einem Einsatzumfeld, das sich deutlich vom Offshore- oder Landeinsatz unterscheidet. Das Zusammenspiel beim Absetzen, Aufnehmen und Hochziehen von Personen ließ sich so im Team einüben und verfeinern. Solche gemeinsamen Übungen schaffen Vertrauen und Routine, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.