Leitstellendrohne rettet Reh aus Watt
Ein junger Rehbock ist am Freitagmorgen im Watt vor Norddeich in Gefahr geraten. Ein Kapitän der AG Reederei Norden-Frisia hatte das Tier gegen 8.15 Uhr von Bord auf dem Weg Richtung Juist entdeckt und gemeldet. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Norden wurden auch der zuständige Jagdpächter sowie die am Flugplatz Norden-Norddeich stationierte Erkunderdrohne der Leitstelle Ostfriesland alarmiert. Letztere war es schließlich, die das Wildtier auf kuriose und vermutlich bisher einmalige Weise retten konnte.
Nach weniger als fünf Minuten Flugzeit hatte die Leitstelledrohne die rund drei Kilometer entfernte Hafeneinfahrt erreicht. In dem Bereich sollte sich der Bock bewegen. Mit Hilfe der Wärmebildkamera konnte der am Flugplatz sitzende Drohnenpilot das Reh und dessen Laufspuren binnen weniger Minuten aufspüren. Das Tier war tatsächlich Richtung Watt unterwegs. Dort wäre es später wahrscheinlich vom auflaufenden Wasser eingeschlossen worden und verendet.
Der Fernpilot der FRISIA Luftverkehr GmbH näherte sich dem Bock langsam mit seiner Drohne. Das Tier bemerkte sie und ließ sich durch ihre Geräusche lenken. Der Fernpilot konnte es so zurück Richtung Hafen treiben. Auf dem Weg dorthin sprang das Reh von einem Steindamm in die Hafeneinfahrt und schwamm weiter Richtung Hafen. Immer wenn das Reh die falsche Richtung einschlug, näherte sich der Fernpilot mit der Drohne an und konnte so den Kurs des Rehs korrigieren. Ziel war die Ablaufbahn im Osthafen. Dort hatte der Bock die Möglich aus eigener Kraft aus dem Wasser zu kommen.
Im Osthafen stand die Norder Feuerwehr mit einem Boot bereit. Auch Jagdpächter Enno Schmidt warte dort mit seiner Tochter um helfend eingreifen zu können. Gemeinsam sperrte man den Bereich dort ab und bat Mensch diesen zu verlassen. Währenddessen schwamm das Reh tapfer entlang der Spundwände genau in die richtige Richtung. Immer wieder gab die Drohne ihm die richtige Richtung vor.
Sowohl für den Drohnenpiloten am Flugplatz als auch die Mitarbeiter der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland (KRLO) in Wittmund war die Rettungsaktion spannender als so mancher Krimi. Alle konnten den Überlebenskampf des Tieres live auf ihren Bildschirmen mitverfolgen. Umso erleichterter waren alle, als das Reh sich nach zirka einem Kilometer Schimmstrecke auf die Ablaufbahn traute. Es zitterte am ganzen Körper und war sichtlich erschöpft. Langsam wagte es sich von der Rampe hoch in den Hafen. Dort passte Enno Schmidt den richtigen Moment ab und scheuchte den Bock vom Wasser weg auf eine nahegelegene Grünfläche. Dort legte sich das Reh sofort in die Sonne und ruhte sich dort erstmal aus. Seine Retter zogen sich dann zurück und überließen es wieder der Natur.
Jäger Enno Schmidt vermutet die jahreszeittypischen Revierkämpfe unter den Rehböcken als Grund für den lebensgefährlichen Ausflug ins Watt. Die alten Tiere vertreiben die Jungtiere aus ihrem Revier. Bei Ebbe sind die unerfahrenen Tiere dann im Glauben sich auf sicherem gebiet zu bewegen. Dank der Drohne konnte das Tier gerettet werden, ohne das sich Einsatzkräfte in Gefahr begeben brauchten.











