Tragehilfe im Akkord

15.04.2026, 21:16 Uhr, geschrieben von Thomas Weege in Einsätze » Einsätze 2026 »

Am Mittwoch kam es bei der Freiwilligen Feuerwehr Norden zu einer ungewöhnlichen Häufung von Unterstützungseinsätzen für den Rettungsdienst, sogenannten Tragehilfen. Zwar nimmt diese Einsatzart seit ein paar Jahren immer mehr zu, aber mehrere Einsätze an einem Tag und auch alle in der Stadt Norden sind dann doch eine Ausnahme. Der Rettungsdienst forderte die Feuerwehr an diesem Tag gleich drei Mal zu ihren Einsätzen nach. In allen Fällen mussten kritische Patienten aus höheren Stockwerken zu einem Rettungswagen auf der Straße transportiert werden. Immer waren die Einsatzorte Mehrparteienhäuser im Norder Stadtgebiet. Am Vormittag in der Kirchstraße und am Abend in der Straße Steenbalgen setzte die Feuerwehr ihre Drehleiter ein, da die Patienten sich jeweils im dritten Obergeschoss befanden. Beim dritten Einsatz am späten Abend in der Straße Martensdorf war der Transport durch ein Treppenhaus möglich.

Tragehilfen für den Rettungsdienst sind fester Bestandteil im Einsatzalltag vieler Feuerwehren, so auch in Norden. Immer wenn Patienten besonders schwer sind, ihr Gesundheitszustand einen schonenden Transport erfordert, die baulichen Gegebenheiten am Einsatzort sehr beengt sind oder manchmal all diese Gründe auf einmal zukommen, dann ist die Feuerwehr gefragt. In einigen Fällen können die Patienten in einer Schleifkorbtrage der Feuerwehr gebettet durch ein Treppenhaus getragen werden, in anderen Situationen ist der Einsatz der Drehleiter das sinnvollste Mittel. Durch die Zunahme dieser Art von Einsätzen verläuft die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst routiniert. Der Rettungsdienst führt die medizinische Versorgung des Patienten durch, während die Feuerwehr den Transport vorbereitet, ehe der eigentliche Transport stattfinden kann. Manchmal müssen hierzu Möbel verrückt, Bilder abgehangen, Türen ausgehängt oder Haustiere eingefangen werden. Manchmal übernimmt die Feuerwehr auch die Betreuung von Angehörigen, damit der Rettungsdienst sich auf den Patienten konzentrieren kann und die Angehörigen erste Informationen zu den laufenden und folgenden Maßnahmen erhalten.

Die meisten Einsätze dieser Art sind zwar dringend, verlaufen jedoch sehr immer ruhig und strukturiert. Wenn sich der Patient in einem kritischen Zustand befindet oder sich sein Gesundheitszustand verschlechtert, entwickelt sich daraus jedoch eine gewisse Dynamik. Aus einem Bagatelleinsatz wird dann ein echter Rettungseinsatz. Rettungsdienst und Feuerwehr kämpfen dann Hand in Hand um das Leben eines Menschen. Seitens der Feuerwehr wird dann weit mehr abverlangt als nur die harmlos klingende Tragehilfe. Zusätzliche Geräte und Medikamente müssen aus den Rettungsdienstfahrzeugen geholt, medizinische Maßnahmen wie beispielsweise Herzdruckmassage und Beatmung bei einer Reanimation, werden dann auch von den Feuerwehrleuten übernommen. Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes können sich so auf Diagnostik und Medikamentengabe fokussieren. Die Fortsetzung lebenserhaltender Maßnahmen auf dem Transportweg kann der Rettungsdienst oft allein auch gar nicht leisten. Dafür sind eine Vielzahl von Helfern erforderlich, zumal diese Tätigkeiten enorm Kräftezerrend sind und die Helfer immer wieder ausgetauscht werden müssen. Nur so kann eine hohe Qualität der Maßnahmen sichergestellt werden. Das Ergebnis dieser engen Kooperation wirkt sich oft positiv auf den Verlauf der Genesung aus und hat auch schon oftmals Leben gerettet. Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass es trotz aller intensiven Bemühungen für einige Patienten keine Rettung gibt.

Die Feuerwehr Norden hat in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst als festen Bestandteil in ihren Aus- und Fortbildungsbetrieb integriert. Dadurch wird nicht nur das Fachwissen vertieft und auf einem aktuellen Stand gehalten, sondern auch das Miteinander. Man kennt sich und weiß voneinander was der andere kann und was nicht. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst ist dadurch von konstruktiver und respektvoller Zusammenarbeit geprägt, die sich immer an das Wohl der Patienten orientiert. Dies ist eine echte Bereicherung in der medizinischen Daseinsvorsorge der Bevölkerung.