Freiwillige Feuerwehr als UNESCO Kulturerbe

Das System der freiwilligen Feuerwehren in Deutschland ist nahezu einmalig. Nur wenige Länder überlassen Brandbekämpfung und Hilfeleistung ehrenamtlichen Kräften. Das ist so einmalig und so besonders, dass man darüber nachdenken darf, ob es möglicherweise in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen werden könnte. Dr. Angela Lißner, Leiterin des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz bei der Polizeidirektion Osnabrück, hat hierzu nun den ersten Vorstoß gewagt. Bei der Eröffnung der 9. Norddeicher Feuerwehrtage am letzten Juli-Wochenende fungierte sie als Schirmherrin der Feuerwehrgroßveranstaltung. Bei ihrer Eröffnungsrede machte Lißner deutlich, welch hohen Stellenwert die freiwilligen Feuerwehren für die Gesellschaft haben. Sie betonte dabei besonders, mit welch hoher Professionalität die Einsatzkräfte den ihnen gestellten Herausforderungen gegenübertreten.

Für die meisten Bürger sei es selbstverständlich, dass die Feuerwehr binnen weniger Minuten ausrückt, wenn man den Notruf 112 wählt. Dieses Selbstverständnis sei so groß, dass die Bürger daher auch davon ausgehen, dass es sich bei den Feuerwehrleuten immer um Berufsfeuerwehrleute handelt. Thomas Kettler, Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Norden, kann dies bestätigen. Bei 300-400 Einsätzen im Jahr die die Norder Wehr abarbeitet, kommt dieser Irrglaube immer wieder zum Vorschein.

Im Jahr 2015 verrichteten in Deutschland 996.688 ehrenamtliche Mitglieder ihren Dienst in 22.690 freiwilligen Feuerwehren. Dem stehen jedoch nur 31.308 Berufsfeuerwehrleute in 105 Städten gegenüber. Gerade in ländlichen Gebieten müssen Ehrenamtliche die Pflichtaufgaben der Gemeinden und Städte im abwehrenden Brandschutz und der Hilfeleistung im Unglücksfall jedoch alleine und ohne die Unterstützung von Berufsfeuerwehren übernehmen. Damit das System 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr reibungslos und zuverlässig funktioniert, bedarf es eines unermüdlichen Engagements der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Dieses Engagement bedeutet oft auch Verzicht auf Freizeit. Freizeit, die sonst der Familie oder spaßigen und erholsamen Dingen gewidmet wird. Natürlich gibt es bei der Feuerwehr auch Spaß, aber grundsätzlich geht es um ein ernstes Thema nämlich Menschen und Tieren in Not zu helfen sowie Umwelt und Sachwerte zu schützen. All das funktioniert nur, wenn die Feuerwehrleute Rückhalt von ihren Familien, Freunden und Arbeitgebern erhalten, so Lißner.

Denn die Ehrenamtlichen haben es oft nicht leicht. An vielen Stellen fehlen Verständnis, Respekt und Anerkennung. Obendrein bringt der Dienst bei der Feuerwehr auch Unbequemlichkeiten wie nächtliche Einsätze sowie physische und psychische Gefahren mit sich. Hinzu kommt, dass es ein Überangebot an Beschäftigungsmöglichkeiten im Freizeitbereich für Menschen gibt und dadurch vielen Feuerwehren der Nachwuchs ausgeht. Gerade junge Leute tummeln sich heute häufig lieber im Internet in sozialen Netzwerken, als sich selbst für etwas engagieren, weiß Angela Lißner.

Damit der Initiativvorschlag von Dr. Angela Lißner nicht eine unverbindliche Idee bleibt, sondern Früchte trägt, sind nun die Feuerwehren selbst gefragt. Sie müssen sich nun über den Vorschlag befinden und über ihre Verbände vorantreiben, wenn sie ihn befürworten. Regierungsbrandmeister Ernst Hemmen, zugleich Präsident der ostfriesischen Feuerwehren, wäre einer der Schlüsselpersonen die die Initiative an den richtigen Stellen vortragen und weitere Befürworter werben könnte. Die Norder Feuerwehr steht jedenfalls hinter der Initiative und findet sie sehr gut.

Sollte dies alles von Erfolg gekrönt sein, so könnte das System der freiwilligen Feuerwehren und damit der flächendecke Schutz der Bevölkerung mit etwas Geduld, mit dem Eintrag in das UNESCO-Verzeichnis gesichert werden - ein Erfolg für jeden einzelnen Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

Dr. Angela Lißner

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